Hinter Zäunen, Gittern, Glaswänden, Vorhängen und schließlich dem Kopftuch wird das Verborgene, das Verbotene zum Ersehnten. Ungetäuscht der Blick der Kamera von beiden Seiten auf das Trennende: auf das Hindernis und auf das Schützende.
Xenophobie durchdringt das Schützende und setzt das Andere der täglichen Feindseligkeit aus. Das Kopftuch der jungen Frau ist Stigma und Freibrief für öffentliches Kopfschütteln und aggressive Beleidigungen in der Straßenbahn. Gleichzeitig ist dieses Kopftuch aber auch eine erste unmissverständliche Grenze für die zaghafte Annäherung des gut aussehenden, blonden Verehrers aus ihrer Schulklasse. Nur zu Hause, nur hinter Mauern ist die eigene Freiheit greifbar, wird zum sinnlichen Rausch, wenn die beiden Frauen mit offenen Haaren miteinander tanzen. Wie wunderbar wäre es, wenn Hass und Unverständnis davonfliegen wie bunte Kinderdrachen im Sommerwind, wenn man gemeinsam mit den anderen im Wasser herumtollen könnte, nass wie in diesem köstlichen Platzregen, der vom erstaunlich sonnigen Himmel fällt und den eigenen Körper durch Kopftuch und Mantel spüren lässt.
Dieser Film aus dem Jahr 2001 erhält heute wieder neue Aktualität durch die Burka-Diskussionen der vielen scheinheiligen und echten, selbsternannten Befreier der islamischen Frau. (Wilbirg Brainin-Donnenberg)
Herausgebracht vom Verein „Freunde der Filmakademie Wien“ auf der DVD Edition 6 – 2010, Still Learning
Der Freiheit
Kurzfilm
Regie: Nina Kusturica
A/ 2002/ 14 Min./ 35mm
1:1,85/ Farbe/Dolby
Deutsch